Kurz vor Ostern war im städtischen Museumsdepot in der Niederhutstraße in Ahrweiler die Freude sehr groß, als sich Restaurator Klaus Tenschert aus Hirschaid (bei Bamberg) ankündigte, um der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler vier restaurierte Skulpturen zurückzugeben. Fast zwei Jahre lang haben sie sich in seinen fachkundigen Händen befunden, bevor sie in neuem Glanz die Rückreise an die Ahr antreten konnten. Ermöglicht wurde die Restaurierungsmaßnahme durch Zuwendungen aus dem Sondervermögen „Aufbauhilfe Rheinland-Pfalz 2021“.
Die vier Skulpturen hatten sich zum Zeitpunkt der Flut 2021 im städtischen Sammlungsdepot befunden, wo sie durch Wasser und Schlamm stark in Mitleidenschaft gezogen worden waren. Danach waren sie in die Restaurierungswerkstatt des Bischöflichen Museums Mainz in die Obhut von Restauratorin Schwester Johanna im Kloster Engelthal in Altenstadt gekommen. Die älteste Figur ist eine aus Holz gefertigte Mutter Gottes aus dem 12. Jahrhundert, die bereits vor der Flut nur noch als Fragment erhalten war und bereits ihren Kopf und ihren Thron verloren hatte. Im Rahmen der Restaurierung wurden Hinweise entdeckt, dass die Figur ursprünglich mit wertvollen Beschlägen und Reliquien versehen gewesen war. Ebenfalls in Hirschaid restauriert wurden eine hölzerne Darstellung des Heiligen Sebastian aus dem 18. Jahrhundert, die teils in Fragmente zerbrochen war, eine Pietà aus Ton, vermutlich aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und die Figur einer Anna selbdritt, deren Fassung (Bemalung) durch die Flut besonders stark beschädigt war.
Durch die professionelle Behandlung von Klaus Tenschert, der bereits viel Erfahrung mit flutgeschädigter Kunst mitbrachte, befinden sich alle vier Skulpturen nun wieder in einem stabilen Zustand. Dennoch bleiben die Flutnacht und die Beschädigungen sowie bleibende Makel Teil ihrer individuellen Objektgeschichten und somit auch der Stadtgeschichte von Bad Neuenahr-Ahrweiler, die sie symbolträchtig repräsentieren. Auch nach ihrem Aufenthalt im Museumsdepot in Ahrweiler sollen die Skulpturen in der Stadt zu sehen sein, und Bürgerinnen und Bürgern wie Gästen als Zeitzeugen der Flut die große Resilienz der Stadt und ihrer Menschen - aber auch die hohe Bedeutung ihrer Kunst- und Kulturgeschichte im Laufe der Zeit - eindrucksvoll begreiflich machen.

