Rathaus
Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, © Christoph Steinborn

Vernetzen, Versorgen, Bewahren

Fünf Jahre nach der Flut im Ahrtal 2021 fand die Mitgliederversammlung des Museumsverbands Rheinland-Pfalz mit anschließendem Vortragsprogramm kürzlich in der Zehntscheuer in Ahrweiler statt.

Die Flutkatastrophe habe die Dringlichkeit einer vorausschauenden Notfallplanung deutlich gemacht, erklärte der Verbandsvorsitzende Steffen Egle. „Bei der Vorsorge für den Ernstfall dürfen wir nicht nachlassen. Im Gegenteil: Wir müssen unsere Anstrengungen noch intensivieren.“ Zugleich betonte Egle die besondere Bedeutung des Tagungsortes: „Unsere Tagung hier im Ahrtal ist auch ein Signal der Solidarität mit der Region und der Wertschätzung für alle, die damals spontan geholfen oder im Nachhinein Unterstützung geleistet haben.“

Knapp 40 Vertreterinnen und Vertreter aus den Museen in Rheinland-Pfalz waren der Einladung des Verbands gefolgt und ins Ahrtal gereist, um sich hier über die Kulturgutrettung im Katastrophenfall zu informieren und Maßnahmen für ihre eigene Notfallplanung zu entwickeln. Nach der Begrüßung durch Staatssekretär Dr. Denis Alt vom Ministerium für Kommunen, Bauen, Wohnen und Kultur berichtete der stellvertretende technische Leiter des Zentrums für Kunst und Medien Karlsruhe (ZKM), Christof Hierholzer, unter dem Titel „Was tun, wenn der Ernstfall eintritt? – Erkenntnisse aus der Arbeit mit Flutobjekten“ über seine Erfahrungen mit der Kulturgutrettung im Ahrtal 2021.

In der Flutnacht war auch das Museumsdepot der städtischen Sammlung in Ahrweiler vollständig überflutet worden. Erst Tage später, nachdem die Menschenrettung weitestgehend abgeschlossen war, konnten die Sammlungsstücke mit Hilfe des Kulturgutrettungszuges Thüringen und Feuerwehreinheiten aus Baden-Württemberg geborgen werden. Mit großer Unterstützung von Museen, Studierenden der Hochschulen Köln und Stuttgart sowie freischaffenden Restauratoren wurden die Sammlungsstücke im Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) Karlsruhe, dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz (RGZM), dem Dom- und Diözesanmuseum Mainz, dem Stadtmuseum Simeonstift Trier und dem Stadtarchiv Köln erstversorgt. Die Koordination der gesamten Ersthilfe war damals mit Hilfe des Museumsverbands Rheinland-Pfalz erfolgt. Bis heute begleitet und unterstützt der Verband den Wiederaufbau der Museumssammlung.

Nach dem sehr engagierten Vortrag von Christof Hierholzer gab Björn Hirsch vom Zivil- und Katastrophenschutz Koblenz in seinem Beitrag „Gemeinsam für den Kulturgutschutz: Die Rolle der Feuerwehr Koblenz im örtlichen Notfallverbund“ einen umfassenden Einblick über die aktuellen Maßnahmen zum Kulturgutschutz in Rheinland-Pfalz. Diese umfassen sowohl die Anschaffung von geeigneten Einsatzfahrzeugen und der Anschaffung eines Abrollcontainers nach dem Vorbild des Kulturrates Thüringen und der Stadt Köln, aber auch die organisatorische und finanzielle Unterstützung zum Aufbau von Netzwerken zwischen Kultureinrichtungen und Katastrophenschutzorganisationen. Nicht zuletzt warb Hirsch für das Etablieren des Fachberaters „Kulturgutschutz“ als einem wichtigen Bindeglied zwischen der Blaulichtfamilie und den Verantwortlichen für Museen, Archive und Bibliotheken.

Den Abschluss fand die Tagung mit der Besichtigung des Schützenmuseums unter Leitung von Werner Kathe und dem Temporären Museumsdepot unter Federführung von Heike Wernz-Kaiser mit einem sehr interessierten und regen Austausch der Tagungsteilnehmer.