- Mehr als 1.000 Wiederaufbau-Projekte auf den Weg gebracht – wichtige Meilensteine kurz vor dem Abschluss
- Dauerhafte Erneuerung von Straßen, Kanälen und Uferbereichen – Baustellen prägen weiterhin den Alltag
- Stadt fordert mehr Tempo bei überörtlichem Hochwasserschutz, Genehmigungen und Förderverfahren
Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe beginnt in Bad Neuenahr-Ahrweiler eine neue und besonders anspruchsvolle Phase des Wiederaufbaus: Zahlreiche große Projekte sind abgeschlossen oder auf der Zielgeraden. Gleichzeitig stehen mit der dauerhaften Erneuerung von Straßen sowie der Ahr mit umliegenden Flächen neue Herausforderungen an.
„In unserer Stadt wird sichtbar, was gemeinsames Handeln bewirken kann“, sagt Pascal Rowald, seit dem 1. Juli Bürgermeister von Bad Neuenahr-Ahrweiler. Im Wiederaufbau sei vieles gelungen, was zwischenzeitlich angesichts der enormen Herausforderungen kaum vorstellbar schien. „Darauf können wir als Stadt stolz sein: auf alle Menschen, die angepackt haben, Verantwortung übernommen und unterstützt haben – Bürgerinnen und Bürger, Bau- und Planungsfirmen, Einzelhändler, Gatronomen und Hoteliers, Hilfsorganisationen, Mitarbeitende, auch hier in der Verwaltung und in der Aufbau- und Entwicklungsgesellschaft.“ Zugleich sei klar, dass der Weg noch andauern wird: „Gerade im Straßenbau liegen jetzt große Aufgaben vor uns, die von allen noch einmal Geduld einfordern“, betont Rowald. In den kommenden Jahren werden auch Hauptverkehrsstraßen grundlegend saniert - mit Einschränkungen für den Verkehr als Folge. „Nach den Belastungen der letzten Jahre wünschen sich die Menschen in unserer Stadt verständlicherweise endlich Normalität. Gerade deshalb bleibt unser Anspruch, die nächsten Schritte im Wiederaufbau verlässlich zu planen, transparent zu erklären und die Belastungen im Alltag so gering wie möglich zu halten.“
Tempo und Planungssicherheit entscheidend
Infolge der Flutkatastrophe im Jahr 2021 hat Bad Neuenahr-Ahrweiler im Wiederaufbau von Infrastruktur und öffentlichen Einrichtungen ein Projektvolumen von insgesamt rund 1,2 Milliarden Euro zu bewältigen. Der Maßnahmenplan umfasst mehr als 1.000 Einzelvorhaben – von Brücken über Sportstätten und Parkanlagen bis hin zu weiten Teilen des Straßen- und Kanalnetzes. Für sämtliche Projekte sind die Förderanträge gestellt, bislang sind knapp 552 Millionen Euro bewilligt. „In der Umsetzung zeigt sich allerdings noch immer, dass einzelne Maßnahmen komplexer sind als zunächst angenommen. Zudem kosten lange Genehmigungsprozesse und zusätzliche Anträge Zeit und stellen uns immer wieder vor neue Herausforderungen“, so Pascal Rowald.
Meilensteine auf der Zielgeraden
Trotz dieser Hürden konnte die Stadt in den vergangenen Monaten mehrere zentrale Wiederaufbau-Projekte abschließen: Seit Ende 2025 steht die Heppinger Brücke als erste neue dauerhafte Ahrquerung zur Verfügung. Der Neubau der Bachemer Brücke und der Landgrafenbrücke befindet sich in der finalen Phase. Fertiggestellt wurden unter anderem auch die Marktgarage in Ahrweiler mit rund 200 Stellplätzen und E-Ladesäulen, der erste Bauabschnitt der Innenstadt Bad Neuenahr sowie der Ahrtor-Friedhof mit der neuen Einsegnungshalle. Für das Freizeitbad TWIN soll zeitnah der Bauantrag gestellt werden, für die Ahr-Thermen sucht die Stadt einen privaten Betreiber. Und mit den neuen Feuerwehrhäusern in Ahrweiler und Heppingen entstehen moderne Standorte für die Einsatzkräfte, die den Brand- und Katastrophenschutz dauerhaft stärken.
Impulse für Kur-, Gesundheits- und Erlebnisstandort
Neben den vielen sichtbaren Wiederaufbauprojekten entwickelt sich Bad Neuenahr-Ahrweiler auch in anderen Bereichen positiv. Inzwischen leben wieder rund 29.260 Menschen in der Stadt und damit fast so viele wie vor der Flut. Auch der Tourismus gewinnt dank zahlreicher Veranstaltungen sowie innovativer Angebote in Gastronomie und Einzelhandel weiter an Kraft: Die Übernachtungszahlen stiegen 2025 um 13 % gegenüber dem Vorjahr und erreichte wieder 68 Prozent des Niveaus vor der Flut – trotz weiterhin fehlender Bettenkapazitäten. Im Kurpark zählt der Neubaukomplex mit Konzerthalle, Tourist-Information und Stadtbibliothek zu den größten Zukunftsprojekten der Stadt. Gemeinsam mit der entstehenden Heilwasser-Erlebniswelt setzt er neue Impulse für Bad Neuenahr-Ahrweiler als Kur-, Gesundheits- und Erlebnisstandort.
Diese positive Wahrnehmung spiegelt sich auch in der jüngsten Bevölkerungsbefragung wider, die die Stadt unter dem Motto #jetztmalehrlich in diesem Jahr bereits zum dritten Mal durchgeführt hat: Demnach gaben sieben von zehn befragten Einwohnerinnen und Einwohnern an, dass sie sich in Bad Neuenahr-Ahrweiler wohlfühlen. Fast zwei Drittel sind der Meinung, dass im Wiederaufbau bereits viel erreicht wurde.
Hochwasserschutz mit Lebensqualität verbinden
Eine besondere Chance sieht die Stadt in der Gewässerwiederherstellung. „Die Ahr war immer das Herz unserer Stadt. Sie soll künftig nicht nur sicherer, sondern auch wieder erlebbarer werden“, betont Pascal Rowald. Das entsprechende Konzept verbinde Hochwasserschutz, ökologische Aufwertung und Lebensqualität. Breitere Flussbereiche, zusätzliche Retentionsflächen und angepasste Brücken sollen die Sicherheit erhöhen. Gleichzeitig entstehen entlang des Ufers neue Aufenthaltsorte mit Promenaden, Terrassen, Grünflächen sowie Möglichkeiten für Sport und Erholung. Auch die historischen Parkanlagen werden klimaangepasst wiederhergestellt.
Mehr Tempo und weniger Bürokratie gefordert
Die Stadt formuliert weiterhin klare Forderungen an Verantwortliche in Land, Bund und Kreis: Dazu gehören vor allem ein beschleunigter überörtlicher Hochwasserschutz, schnellere Genehmigungen und einfachere Förderverfahren. Besonders die geplanten großen Rückhaltebecken am Oberlauf der Ahr müssten zügig geplant und finanziert werden, um ganzheitlichen Schutz für die Unterlieger zu ermöglichen. Gleichzeitig dürften bürokratische Hürden den Fortschritt innerhalb der Stadt und darüber hinaus nicht weiter ausbremsen.
Konsequent und entschlossen weitergehen
Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe sind in der Stadt viele sichtbare Schäden beseitigt, doch lange nicht alle Belastungen verschwunden. „Für die Menschen gehören die Erinnerung und die außergewöhnlichen Herausforderungen des Wiederaufbaus weiterhin zum Alltag“, betont Pascal Rowald. Alle hätten in den vergangenen Jahren eindrucksvoll gezeigt, was möglich sei, wenn eine Stadt zusammenhalte. „Gemeinsam haben wir viel erreicht – die Zukunft unserer Stadt ist sichtbar. Jetzt kommt es darauf an, den eingeschlagenen Weg konsequent und entschlossen weiterzugehen.“

