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Wolfgang Müller von Königswinter

 

 

 

Dr. med. Wolfgang Müller von Königswinter hieß eigentlich Peter Wilhelm Carl Müller. Geboren am 15.03.1816 in Königswinter am Rhein ist er bis heute unter seinem Synonym bekannt.

Dem Ahrtal und den Anfängen des jungen Heilbades Neuenahr war Müller sehr innig verbunden. Fast in Vergessenheit geraten ist, dass er das Bad im Juni 1873 wegen eines schweren Leberleidens aufsuchte. In der Cur- und Fremdenliste von 1873 ist sein Aufenthalt vom 7. – 28. Juni belegt. Am 29. Juni 1873 verstarb er im Haus „Villa Clotten“ des Kreisbaumeisters Julius August Clotten in der Oberstraße, heute Seniorenresidenz Villa Sibilla, im Alter von 57 Jahren.

In seiner Zeit war Müller ein sehr beliebter Autor von Sagen und Gedichten des Rheinlandes und des Ahrtals. Er gehörte zum Kreis der Bonner Intellektuellen, Schriftsteller, Politiker und Künstler. Karl Simrock, Gottfried Kinkel, Ferdinand Freiligrath, Heinrich Heine oder auch Robert Schumann, dessen Hausarzt er war, kannte er persönlich, ebenso Bettina von Arnim, Joseph von Eichendorff, Alexander Humboldt sowie zahlreiche Vertreter aus Düsseldorfer Kunstkreisen und der deutschen Politik.

Bereits 1851 hatte er in seinem Rheinsagenbuch „Loreley“ Gedichte über Neuenahr und Ahrweiler aufgenommen. Seine fachkundigen, mit Herz und Humor verfassten Gedichte und Erzählungen trafen den Geschmack des romantischen Lesers und wurden nicht nur als Bücher verkauft, sondern auch in Zeitungen veröffentlicht und teilweise sogar vertont. Dieser Erfolg veranlasste Wolfgang Müller seinen Beruf als promovierter Arzt 1853 aufzugeben und sich in Köln als freischaffender Schriftsteller niederzulassen.

Müllers Texte beschreiben nicht nur die Landschaft oder informieren über die Geschichte eines Ortes, sie erfassen auch das Lebensgefühl einer Region wie es beispielsweise in dem Gedicht[1] über den Vicar von Walporzheim, der so gern wieder auf seine alte Pfarrstelle in Walporzheim zurückversetzt werden möchte, zum Ausdruck kommt:

 … Drum lieber als morgen schickt mich heute

Auf meine alte kleine Stelle!

Dort läutet’s so lieblich in der Kapelle.

Laßt mich dort halten mein Leben lang,

Den Messe- und den Vespergesang,

„Ei“, ruft der Fürst, „ein seltener Fall!

Wo ist denn so lieblich der Glockenschall“?

Doch noch verworren spricht der Vicar:

„Zu Walportsheim ist’s an der Ahr!

Zwar bringt die Stelle wenig ein,

Die Leute sind arm, die Pfründe klein.“

„Jedoch“, so nimmt Max Franz das Wort,

„es wächst ein herrlicher Rother dort.

Den Wein, den könnt ihr nicht entbehren,

Drum steht nach Walportsheim Eu’r Begehren.

Heut‘ aber verwechselt Ihr Glocke und Spunt,

Es thut nicht das Ohr, es thut der Mund,

Der Euch gebracht in diese Noth…!“

 

Nicht unerwähnt bleiben darf, dass Wolfgang Müller von Königswinter sich auch politisch engagierte. Nach der Revolution von 1848 war er für ein Jahr Abgeordneter des „Vereins für demokratische Monarchie“ im Frankfurter Parlament. Vermutlich weil er die antikatholische Kulturkampfpolitik Bismarcks nach dem ersten Vatikanischen Konzil in Form von Gedichten unterstützt hatte, wurde er trotz seiner großen Popularität 1871 nicht in den Reichstag gewählt.[2]

Für die Geschichte von Bad Neuenahr-Ahrweiler ist es von besonderer Bedeutung, dass sich Müller sehr für den Aufbau des Heilbades Neuenahr eingesetzt hat. Er schrieb zahlreiche Beiträge, die für das junge Bad warben und seiner Feder ist auch das Huldigungsgedicht zu verdanken, das von Hubertine Kreuzberg 1858 im Rahmen der Quellenweihe im Beisein von Prinzessin Augusta von Preußen, der späteren deutschen Kaiserin, vorgetragen worden war. Von 1866 bis 1870 gehörte Wolfgang Müller von Königswinter auch dem Verwaltungsrat der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr an.

Es verwundert daher nicht, dass sein Tod von der damaligen Prominenz des Heilbades bezeugt wird. In der Sterbeurkunde Müllers, die sich im Stadtarchiv Bad Neuenahr-Ahrweiler befindet, ist folgendes nachzulesen:

Zu Ahrweiler den dreißigsten des Monats Juny im Jahr tausend achthundert dreiundsiebzig vor mittags eilf Uhr, erschienen vor mir Anton Kreuzberg, Beigeordneter der Bürgermeisterei Ahrweiler, in Vertretung des beurlaubten Bürgermeisters von Ahrweiler, Beamten des Personenstands, der Robert Schnitzler, acht und vierzig Jahre alt, Standes Regierungsrath, wohnhaft zu Coeln, welcher Schwager des Verstorbenen und der August Lenné, neun und fünfzig Jahre alt, Standes Direktor des Badeortes Neuenahr, wohnhaft zu Beul, welcher Bekannter des Verstorbenen zu sein angab, und haben beide mir erklärt, daß am neun und zwanzigsten des Monats Juny des Jahres tausend achthundert dreiundsiebzig Nachmittags sechs Uhr zu Beul verstorben ist Carl Wilhelm Müller sieben und fünfzig Jahre alt, gebürtig zu Königswinter, Regierungs-Bezirk Coeln, Standes Doctor medicinae, wohnhaft zu Coeln, Regierungs-Bezirk Coeln, Ehegatte von Emilie Schnitzler, ohne Gewerbe, wohnhaft zu Coeln, Sohn von dem zu Düsseldorf gestorbenen Kreisphysikus Johann Georg Müller und von der zu Remagen wohnenden Johanna Fuchs und haben diese erklärenden Personen, nach ihnen geschehener Vorlesung und Genehmigung, diese Urkunde mit mir unterschrieben.[3]

Ro[bert] Schnitzler  A[ugust] Lenné  Ant[on] Kreuzberg

Literaturhinweise

Deutsche Biographie – Onlinefassung

Hans Frick: Quellen zur Geschichte von Bad Neuenahr. Festschrift zum 75-         jährigen Jubiläum des Bades Neuenahr, Bad Neuenahr 1933, S. XL

Hans Warnecke: Wolfgang Müller von Königswinter. https://www.kreis-ahrweiler.de/VT/hjb2003/hjb2003.28, S. 207f.

 

Abbildungen

· Sterbeurkunde Wolfgang Müller von Königswinter (©Stadtarchiv Bad Neuenahr-Ahrweiler)

· Cur- und Fremdenliste No 2, 7. Juni 1873, Eintrag Villa Clotten


[1] Zit. n. Hans Warnecke: Wolfgang Müller von Königswinter. https://www.kreis-ahrweiler.de/VT/hjb2003/hjb2003.28

[2] Hans Warnecke: Wolfgang Müller von Königswinter. https://www.kreis-ahrweiler.de/VT/hjb2003/hjb2003.28

[3] Stadtarchiv Bad Neuenahr-Ahrweiler, Bestand N Nr. 1278 Urkundennummer 42