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Heinrich Böll in Ahrweiler

 

Der Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll war in der Zeit des Zweiten Weltkriegs von 1939 bis 1945 Soldat im Einsatz in Deutschland, Holland, Frankreich, Polen, Ungarn, Rumänien und Russland. Er wurde mehrfach verletzt und verstand es, sich mit simulierten Krankheiten, manipulierten Urlaubsscheinen oder auch durch zeitweilige Desertion durch die chaotische Endphase des Krieges zu retten.

1944 befand sich Heinrich Böll vom 6. bis 16. September schwer erkrankt im Reservelazarett in der Dr. von Ehrenwall’schen Klinik in Ahrweiler. Nach einem kurzen Aufenthalt in Dresden wurde er am 21. Oktober im Kriegslazarett in Bad Neuenahr aufgenommen, wo er bis zum 6. November blieb.

Dies waren jedoch nicht die einzigen Aufenthalte im Stadtgebiet. Nachweislich hielt er sich 1944 ebenfalls während eines 14-tägigen Erholungsurlaubs im März in Ahrweiler auf, um seine Frau Annemarie, seine Eltern und seine Schwester Mechthild zu besuchen. Die Familie Heinrich Bölls hatte seit dem 29. Juni 1943 in Ahrweiler Zuflucht gefunden, nachdem ihre Wohnungen in Köln durch Bombenangriffe zerstört worden waren. Hier in der Oberhutstraße bewohnten sie in dem von der Familie Mies geführten Hotel „Vier Winde“ ein Doppel- und zwei Einzelzimmer.

Durch Briefe und Fotografien im Nachlass der Familie Böll sind diese leidvollen Jahre relativ gut dokumentiert.

Nach den Erinnerungen von Annemarie Böll, die Heinrich Böll während eines Fronturlaubs im Frühjahr 1942 geheiratet hatte, fuhren sie, der 75jährige Vater und die Schwester Mechthild aus beruflichen Gründen jeden Tag nach Köln. Wegen der immer bedrohlicher werdenden Kriegssituation flüchtete die Familie nach dem Tod der schwer kranken Maria Böll am 17. November 1944 auf die andere Rheinseite und erlebte in Marienfeld das Kriegsende. Böll dagegen blieb Soldat bis er am 9. April 1945 in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft geriet.

Auch nach dem Krieg hielt sich Böll immer wieder im Stadtgebiet von Bad Neuenahr-Ahrweiler auf, um das Grab seiner Mutter auf dem Ahrweiler Friedhof zu besuchen. Maria Böll war am 3. November nach einem Fliegerangriff verstorben und am 7. November 1944 hier beerdigt worden. Darüber hinaus trug sich Böll 1982 in das Goldene Buch der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler ein und nahm in den 1980er Jahren an den Friedensdemonstrationen vor dem Ausweichsitz der Verfassungsorgane der Bundesrepublik Deutschland in Marienthal teil.[

Literaturhinweise

Horst Happe: Heinrich Böll (1917-1985) und seine Beziehung zu Ahrweiler. Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler 2008.

Briefe aus dem Krieg 1939-1945 von Heinrich Böll
Hrsg. Jochen Schubert, Köln 2001

http://archiv.ausweichsitz.de/index.php-option=com_content&task=view&id=238&Itemid=39.html

 

Zeitdokumente

Heinrich Böll trägt sich im Beisein des damaligen Ersten Beigeordneten Wilfried Schneider 1982 ins Goldene Buch der Stadt ein. Foto: Vollrath

Unterschrift Heinrich Bölls im Goldenen Buch

Friedensdemo 1985 in Marienthal. Foto: Vollrath